An Chancenauswertung und Eigenfehlern gescheitert – 0:2 in Ried


So bitter kann Fußball sein – 26 Schüsse (davon 3 Aluminium-Treffer) konnten nicht in Tore umgemünzt werden, hinten verteilte man einmal mehr Geschenke…


Nach dem Erfolg gegen die Wiener Austria war der Aufwind im TSV-Lager zu spüren, beim Aufsteiger Ried wollten unsere Blau-Weißen vor der Länderspielpause unbedingt nachlegen und starteten auch bärenstark in die Begegnung im Innviertel. Stefan Gölles, der anstelle von Andi Lienhart in der Startelf stand, mit der Flanke von rechts in die Box. Rajko Rep lief gut ein, nahm sich das Spielgerät einmal an und zog ab, doch Ried-Tormann Sahin-Radlinger reagierte stark und machte die Chance zunichte. Die nächste Chance ließ nicht lange auf sich warten. Freistoß von Tobi Kainz, der Kopfball von Felix Luckeneder prallte gegen die Latte (6.) – schade! Nach einer guten Viertelstunde brachte Sascha Horvath den Eckball mit einer gefährlichen Flanke an die erste Stange, Rep und Tadic verfehlten das Leder hauchdünn, das an Freund und Feind vorbeiging – Riesenchance! Die Hausherren zeigten 100% Effizienz. In der 17. Minute gingen die Wikinger mit der aller ersten Offensivaktion in Führung. Weiter Abschlag vom Torhüter, Paintsil wurde nur begleitet und nicht attackiert, die Maßflanke verwandelte Stefan Nutz per Kopf. Aber der 1,78m Mann darf zwischen Rotter und Gölles nicht zum Kopfball kommen. Zu passives Defensivverhalten! Nur zwei Minuten später der nächste Lattentreffer des TSV. Weiter Ball von Klem hinter die Abwehr auf Dario Tadic, der genau im richtigen Moment losstartete. Unser Bomber nahm sich das Spielgerät technisch fein mit und schupfte den Ball in der Folge sofort über Sahin-Radlinger, Stange- wieder Pech! Der TSV machte weiter Dampf. Wieder Stefan Gölles über rechts, Rajko Rep ließ sich etwas zu viel Zeit, nahm das Leder an, weshalb sein Schuss geblockt wurde.  In der 45. Minute Freistoß aus rund 20 Metern. Bei den Rieder läuteten die Alarmglocken, denn Dario Tadic richtete sich das Spielgerät zurecht. Der perfekt getretene Freistoß prallte erneut gegen die Querlatte, richtig viel Pech für Dario Tadic an diesem Abend. Ried mit der sehr schmeichelhaften Pausenführung.

Nach der Pause gehörte die erste Offensivaktion den Riedern. Ein Nutz-Kopfball landete knapp neben dem Tor (51.). Der TSV spielte immer wieder von hinten heraus, die Rieder pressten hoch an und in der 52. Minute schenkte man der SV Ried das 2:0. Beim Herausspielen geriet Luckeneder unter Bedrängnis, verlor den Ball an Paintsil, der einnetzte. In solchen Situationen muss man das Leder einfach wegjagen oder aus der Gefahrenzone bringen, so ein Fehler darf nicht passieren! Und plötzlich hatten die Rieder, die zuletzt fünf Partien verloren haben, einen komfortablen Zwei-Tore-Vorsprung. Vier Minuten später hatte der eingewechselte Lukas Ried die Chance auf den Anschlusstreffer mit einem schönen Volleyschuss nach Kainz-Flanke. Kurz darauf feuerte Rep einen Schuss, der noch von Tadic abgefälscht wurde, ab – doch Sahin-Radlinger blieb achtsam und konnte parieren. Nach einer guten Stunde verhinderte Swete mit einer starken Parade gegen Grüll die Vorentscheidung. Der TSV aber weiter im Vorwärtsgang. In der 77. Minute flankte Dario Tadic das Leder zur Mitte, Thomas Rotter kam völlig frei zum Kopfball, der Ball geht neben das Tor. Auch solche Möglichkeiten macht Rotter normalerweise im Schlaf. Zwei Minuten später erneut die Flanke von Tadic, die über Umwege bei Rep landete, dessen scharfe Hereingabe Lukas Ried wunderschön mit einem Fallrückzieher abschloss – leider wieder kein Tor, eine bärenstarke Parade von Sahin-Radlinger, auch der Nachschuss von Tadic wurde noch irgendwie geblockt. Wahnsinn!

Es gibt Spiele, wo man fünf Stunden spielen könnte und der Ball einfach nicht ins Tor gehen will. Eine solche Partie war es am Samstagabend. Nach 94 Minuten war Schluss. 26 Torschüsse, mehr als 60% Ballbesitz, 3 Aluminiumtreffer. Und doch gab es hängende Köpfe im TSV-Lager. Eine über weite Strecken sehr sehr gute Leistung blieb unbelohnt. Der TSV war in allen Statistiken  voran, doch am Ende zählt der Stand auf der Anzeigetafel. Die dritte Saisonniederlage ist bittere Realität. Spielerisch ein guter Auftritt, man spielte sich unzählige Torchancen heraus. Effektivität hat am Samstagabend gewonnen. Den Vorwurf der schwachen Chancenverwertung muss man sich gefallen lassen, zieht sich in Summe auch ein wenig durch die Saison. In sieben Runden wurden erst sechs Treffer erzielt. Bei den drei Aluminium-Treffern hatte man einfach Pech. Defensiv passierte unseren Jungs wieder kapitale Schnitzer, die uns im bisherigen Saisonverlauf ebenfalls schon öfters um die Früchte der Arbeit brachten. Ein richtig bitterer Abend, dieses Spiel muss aufgrund der 90 Minuten eigentlich gewonnen werden. Leider geht es ohne Erfolgserlebnis in die Länderspielpause. Der Fahrplan ist klar: Zunächst Köpfe freibekommen, danach analysieren und hart weiterarbeiten. Der spielerische Auftritt gibt Zuversicht. Die Chancenauswertung muss besser und die kapitalen Eigenfehler müssen abgestellt werden. Zurückkämpfen ist aber eine Stärke, die unserer Mannschaft in der Vergangenheit immer wieder bewiesen hat. In der 14-tätigen Pause testet der TSV gegen Zweitligist Kapfenberg (Fr. 13.11. – 15 Uhr).


Eine Zusammenfassung von diesem Spiel gibt es hier: #SVRHTB-Highlights


Stimmen zum Spiel:

Markus Schopp (Hartberg-Trainer): „Gratulation an den Gegner! Ried hat es in den entscheidenden Momenten besser gemacht als wir. Der Gegner hat aus wenig viel gemacht. Wir waren in der Defensive nicht so, wie es sein muss. Wir haben zweimal miserabel verteidigt. Wenn man solche Geschenke verteilt und es zulässt, dass der Gegner aus 3 Torchancen 2 Tore macht, darf man sich nicht wundern, wenn man verliert. Was wir an Tormöglichkeiten herausgespielt haben, ist positiv, war aber letztlich brotlose Kunst. Natürlich ist auch Pech dabei, wenn der Ball dreimal an die Latte geht. So ein Spiel musst du einfach gewinnen. Ich sehe aber auch, dass nicht viel fehlt. Und wenn wir beginnen unsere Torchancen zu nutzen, dann bin ich davon überzeugt, dass es dann relativ oft tscheppern wird“

Gerald Baumgartner (Ried-Trainer): “Wir konnten die ganze Woche fast mit dem gesamten Kader arbeiten. Der Sieg war ein Ausdruck dieser Trainingswoche. Es ist ein Befreiungsschlag für uns alle. Wir können auf dieser Leistung aufbauen, wissen aber, dass wir noch einiges zu tun haben, und das werden wir auch tun. Wir müssen daran arbeiten, dass die Automatismen mehr greifen. Bei Hartberg haben wir heute gesehen, dass es bei denen schon funktioniert. Ich hoffe, dass wir bei den Corona-Tests stabil bleiben, damit der Konkurrenzkampf in der Mannschaft stärker wird.”


Tipico Bundesliga 2020/21  – 7. Runde, Samstag, 7. November 2020

SV Guntamatic Ried 2:0 (1:0) TSV Prolactal Hartberg

Josko Arena, Ried, SR Jäger (Salzburg)

Torfolge:
1:0 Nutz (17.)
2:0 Paintsil (52.)

Ried: Sahin-Radlinger – Takougnadi, Reifeltshammer, Reiner, Lercher – Ziegl, Offenbacher (71./Lackner) – Paintsil (84./Wießmeier), S. Nutz (87./Meisl), Grüll – Sulley (71./Gschweidl)

Hartberg: Swete – Gölles, Rotter, Luckeneder, Klem – Yoda (54./Ried), Kainz (84./Rakowitz) – Heil, Rep, Horvath (73./Ertlthaler) – Tadic

Gelbe Karten: Offenbacher bzw. keine

Fotos: Gepa Pictures | TSV Hartberg