Chancenlos – 0:6 gegen überragende Salzburger

Bereits nach elf Minuten war die Partie zu Gunsten des Tabellenführers entschieden…


Schon das Abschlusstraining stand unter keinem guten Stern. Die Ausfälle von Bakary Nimaga, Andreas Lienhart und Lukas Ried, zusätzlich zu den Langzeitverletzten Rakowitz und Lema, schmerzten. Am Spieltag herrschte eine eigenartige Stimmung in und rund um die Hartberger Profertil Arena. Ein Topspiel gegen Salzburg, Heimpremiere in der Meistergruppe und perfektes Wetter. Normalerweise wären 5.000 Zuschauer im Stadion gewesen, aber gestern weit und breit keine Fans – leider. Geschuldet der Coronakrise finden die Spiele der Meistergruppe bei Prachtwetter ohne Publikum statt. Ein gefühltes Testspiel – jedoch mit Bewerbscharakter und Kamerapräsenz.

Die Schopp-Truppe hatte sich viel vorgenommen, doch bereits nach vier Minuten der Anfang vom Ende. Ein leichtfertiger Ballverlust in der eigenen Hälfte und dann ging’s schnell: Okafor bediente Patson Daka, der für die TSV-Defensive zu schnell war und souverän zur Führung einschoss. Wenige Minuten später kam der Einzelauftritt von Enock Mwepu, der die halbe TSV-Mannschaft auf engstem Raum auskickte – Ballglück und Handspiel inklusive – und zum 0:2 einschoss. Auch wenn dieses Tor nicht hätte zählen dürfen, so leicht darf man es Salzburg nicht machen. Die fehlende Aggressivität und das Zweikampfverhalten machten es den Salzburgern leicht zum Torerfolg zu kommen. 11. Minuten 0:3. Sozoboszlai auf Daka, der einen TSV-Verteidiger „tunnelte“ und zum schnellsten Bullen-Dreierpack traf. Markus Schopp musste reagieren und brachte nach 20 Minuten Thomas Rotter auf das Spielfeld, um die Defensive zu stärken. Rene Swete verhinderte bei Schüssen von Szoboszlai (16.) und Koita (29.) vorerst weitere Gegentreffer. Die einzige Halbchance des TSV vor der Pause hatte Rotter, der nach einem Rep-Freistoß zum Drehschuss kam. Doch kurz vor dem Pausenpfiff versenkte Koita aus spitzem Winkel sehenswert im langen Eck.

Die Hartberger Hoffnung aus Besserung nach Seitenwechsel war schon nach wenigen Augenblicken im Keim erstickt. Ein Ballverlust in ungünstiger Position, der Ungarn-Youngstar Szoboszlai fungierte als Assistgeber, ehe der unaufhaltsame und überragende Patson Daka via Volley seinen Triplepack schnürte. Die Gäste kontrollierten die Partie und mussten nicht mehr an das Limit gehen. So näherte sich die Schopp-Truppe dem Ehrentreffer, der aber nicht gelingen sollte. Rajko Rep hatte mit zwei Schüsse (66., 81.) die besten Möglichkeiten, die Stankovic aber stark parierte. Die wenigen Standards die unsere Blau-Weißen bekamen, fanden leider nie den Weg zu den kopfballstarken Mitspielern. Während auf der einen Seite der Treffer nicht gelang, machte Okafor in der Schlussphase das halbe Dutzend voll. Ein Tag zum Vergessen für den TSV!

Schlussendlich gab es ein 0:6-Heimdebakel gegen übermächtige Salzburger, die einen richtig guten Tag erwischten. Ein Dämpfer bzw. eine Euphoriebremse nach dem sensationellen Sieg in Linz. Die Leistung war an diesem Nachmittag einfach zu wenig. Und damit wollen wir es auch schon belassen mit Analysen. Aber ein Sprichwort besagt: Lieber einmal 0:6 verlieren, als sechsmal 0:1 verlieren. Der Umstand, dass bis zum nächsten Spiel nur 72 Stunden liegen, geben gar nicht die Möglichkeit zu grübeln. Bereits am Mittwoch gibt es beim Tabellenzweiten in Wolfsberg die nächste Chance auf Punkte.


Eine Zusammenfassung von diesem Spiel gibt es hier: #htbrbs-highlights


Stimmen zum Spiel:

Markus Schopp (Hartberg-Trainer): „Der Sieg am Mittwoch war ein klarer Fortschritt, jetzt ist postwendend wieder ein herber Rückschritt gekommen. Die ersten 25 Minuten waren nicht bundesligatauglich. Wir haben die Grundtugenden vermissen lassen. Wir haben uns einiges vorgenommen, es hat aber fast alles von dem nicht funktioniert. Wir müssen jetzt versuchen, aus dieser gewaltigen Schwankung von Hoch und Tief die richtigen Schlüsse zu ziehen.“

Jesse Marsch (Salzburg-Trainer): „Wir waren taktisch sehr gut vorbereitet und haben noch dazu einen guten Start erwischt. Nach elf Minuten 3:0 – besser geht es nicht. Wir haben richtig darauf getippt, dass wir eine mutige Hartberger Mannschaft erwarten. Es ist uns dann gelungen, die ersten Chancen sofort zu verwerten, damit war die Partie relativ früh entschieden. Die neuen Spieler haben ihre Chance hervorragend genützt. Es ist zwar noch lange nicht vorbei, aber mit unserem Sieg und dem Unentschieden vom LASK war es doch ein Schritt in Richtung Titel.“

TSV-Kapitän und Torhüter Rene Swete: “Vielleicht waren ein paar Spieler nach dem LASK-Spiel schon zu euphorisch. […] Wir brauchen Minimum 100% von unserer Leistungsgrenze. Heute waren wir nicht einmal drei Minuten an unserer Leistungsgrenze. Es geht nur, wenn alle, alles geben.”


Tipico Bundesliga 2019/20  – 24. Runde, Sonntag, 7. Juni 2020

TSV Prolactal Hartberg 0:6 (0:4) FC Red Bull Salzburg

Profertil Arena, Hartberg, SR Weinberger (Wien)

Tore:
0:1 Daka (4.)
0:2 Mwepu (7.)
0:3 Daka (11.)
0:4 Koita (40.)
0:5 Daka (46.)
0:6 Okafor (90.+1)

Hartberg: Swete – Heil (76. Schantl), Huber, Luckeneder, Klem (83. Rasswalder) – Tschernegg (20. Rotter), Dante (76. C. Kröpfl) – Rep, Cancola, Kainz – Tadic (46. Dossou)

Salzburg: Stankovic – Vallci (46. Farkas), Ramalho, Onguene, Ulmer (46. Wöber) – Okafor, Mwepu, Camara, Szoboszlai (61. Berisha) – Koita (76. Hwang), Daka (61. Adeyemi)

Gelbe Karten: Keine bzw. Mwepu

Fotos: Gepa Pictures | TSV Hartberg