Gekämpft wie die Löwen – Punkt im Steirer-Derby

Der TSV Egger Glas Hartberg erkämpfte sich am Samstagabend in Graz beim Steirer-Derby gegen den „großen Bruder“ SK Sturm ein 0:0. Über 80 Minuten in Unterzahl wurden durchgestanden! Dank einer aufopferungsvollen, disziplinierten und kompakten Teamleistung. Unsere Blau-Weißen verteidigten alles weg, hielten dem Dauerdruck stand und somit geht der Punktgewinn absolut in Ordnung. Sturm war zwar das spielbestimmende Team mit unzähligen Standards, Flanken und Schüssen, doch die „Hochkaräter“ waren überschaubar. Endlich konnte die Schmidt-Elf erstmals auch auswärts in dieser Saison anschreiben und rehabilitierte sich für die Leistung am Mittwoch im Cup. In der Liga war es die zweite „zu Null“ Partie in Folge. Ein wichtiger Tag für die Moral und für das Selbstvertrauen. Spiele in Graz vor einer tollen Kulisse sind immer ein Highlight, umso schöner, wenn man dann auch noch mit einem Punkt belohnt wird. 


Da Rene Swete noch nicht fit ist, stand Raphael Sallinger zum zweiten Mal in Folge im Hartberger Kasten und machte seinen Job überragend. Er parierte alles was Sturm in Richtung Hartberger Kasten abfeuerte. Klaus Schmidt setzte wieder auf ein 4-2-3-1. Kofler wurde rechtzeitig fit, Farkas nicht. Die „Last-Minute“-Neuzugänge Dominik Frieser und Rene Kriwak blieben vorerst auf der Bank. Der Start in die Partie war für die Schmidt-Elf denkbar schlecht, der Matchplan wurde nach gut zehn Minuten schon über den Haufen geworfen. Sturm spielte in der Anfangsphase viele Bälle in die Tiefe, zunächst hatte Sturm-Neuzugang Böving die Führung am Fuß, scheiterte aber an der starken Fußabwehr von Sallinger (7.). Dann die 12. Minute: Beim Laufduell zwischen Emegha und Horvat „tatschte“ Matija Horvat dem Sturm-Angreifer minimalst auf die Schulter, der Stürmer ließ sich fallen und SR Weinberger zückte den roten Karton. Sehr fragwürdig, für einen Ausschluss war dieser Minimalkontakt viel zu wenig. Die Situation wurde leider auch keinem VAR-Check unterzogen. Den daraus resultierenden Freistoß von Tomi Horvat entschärfte TSV-Goalie Raphael Sallinger. Okan Aydin wurde taktisches Opfer des Ausschlusses und durch Innenverteidiger Manfred Gollner ersetzt um die Kette wieder aufzufüllen. Doch es war der Anfang einer heroischen und taktisch sowie kämpferischen Meisterleistung. Die Hartberger ließen defensiv wenig zu und versuchten auch hin und wieder Nadelstiche in der Offensive zu setzen. Doppelchance in der 20. Minute. Almog mit dem Zuspiel auf den starken Fadinger, der ließ Dante stehen, doch Schützenauer parierte. Der Nachschuss von Seth Paintsil wurde von Stankovic geblockt. Sturm belagerte in der Folge über weite Strecken zwar die Hartberger Spielhälfte, Großchancen blieben aber aus. Ein Weitschuss von Stankovic wurde von Sallinger pariert, der Schuss von Prass flog klar über das Tor und Böving traf das Außennetz.

Zur Pause warf Klaus Schmidt dann Rückkehrer Dominik Frieser, der nach sieben Jahren wieder für den TSV spielt, in die Schlacht, der wertvolle Teamarbeit ablieferte und seine Routine ausspielte. Sturm kombinierte gefällig, erhöhte den Druck, oftmals fehlte aber die letzte Konsequenz, Durchschlagskraft und Genauigkeit. Viele ungefährliche Angriffe und Halbchancen. Einen weiteren Schuss vom Slowenen Horvat parierte erneut Raphael Sallinger, der an diesem Abend unbezwingbar war. Sturm reklamierte in zwei, drei Aktionen Handspiele, doch das Schiedsrichtergespann ließ immer korrekterweise weiterlaufen. Die Ilzer-Elf biss sich an zehn Hartberger Löwen die Zähne aus. Die beste TSV-Aktion gab es in der 73. Minute. Seth Paintsil setzte zum Sprint an, überlief den Sturm-Verteidiger übersah aber den in der Mitte mitlaufenden Dominik Frieser, der völlig frei gestanden wäre. Schade. In der Schlussviertelstunde brachte Klaus Schmidt mit Rapid-Leihgabe Rene Kriwak „Größe“ ins Spiel um in den finalen Standards von seiner Lufthoheit zu profitieren. Aus 19 Eckbällen konnte Sturm kein Kapital schlagen, der gefährlichste Corner war noch jener zehn Minuten vor Schluss, als Ajeti frei zum Kopfball kam, aber das Leder neben das Tor setzte. Nach 97 Minuten beendete Schiedsrichter Weinberger das Steiermark-Duell. Am Ende jubelte nur das Hartberg-Lager, Sturm konnte aus 36 Schüssen (8 aufs Tor), 40 Flanken, 19 Ecken und 72% Ballbesitz nicht den erhofften Heimsieg einfahren.

Es war sowohl für den Körper als auch für den Kopf eine sehr anstrengende Woche. 3 Spiele in 7 Tage, Vorarlbergreise inklusive. Dazu die Achterbahnfahrt der Gefühle. Auf ein tolles Heimspiel gegen Ried folgte die Ernüchterung im Cup. Und dann wieder ein Erfolgserlebnis in Graz. Nun heißt es gut regenerieren, den Kopf wieder frei bekommen und dann den vollen Fokus auf das Heimspiel gegen Austria Wien (So. 14:30 Uhr) legen. Wo man mit hoffentlich vielen Zuschauern im Rücken den nächsten großen Gegner ärgern will!


Stimmen zum Spiel:

Klaus Schmidt (Hartberg-Trainer): „Die 80 Minuten nach dem Ausschluss waren eine Vorzeigeleistung in Unterzahl. Zuerst konnten wir noch den einen oder anderen Nadelstich setzen, dann haben wir mit zwei Viererketten agiert und haben Sturm Graz keine großartigen Möglichkeiten angeboten. Sturm ist auch nicht unbedingt die Mannschaft, die gerne das Spiel macht. Meine Mannschaft hat nur in ein, zwei Situationen die Ordnung verloren – da hat der Himmel gebrannt. Nach zu vielen Gegentoren war das ein weiterer Schritt in die richtige Richtung.“
Zum roten Karte: „Ich sehe es natürlich mit der Brille des Trainers, der betroffen war. Aber mir fehlt schon ein bisserl die Idee, wo der Kontakt war.“

Christian Ilzer (Sturm-Trainer): „Ein skurriles Spiel, extrem ärgerlich nach 80 Minuten in Überzahl. Aber Kompliment an Hartberg, sie haben alles wegverteidigt. Trotz vieler Torschüsse, Standards und unzähliger Flanken haben wir das Momentum nicht erzwungen. Hartberg hat konsequent und diszipliniert agiert und somit den Punkt verdient. Ich habe kaum ein Spiel wie heute mit 60 Flanken gesehen. Es hat die letzte Qualität auf engstem Raum gefehlt. Wir hätten mehr Tempo am Ball gebraucht mit Sprints auf die erste und zweite Stange. Und hätten gleichzeitig im Kopf geduldig bleiben müssen.“

Raphael Sallinger (TSV-Tormann): „Die rote Karte war ein denkbar schlechter Start, aber vielleicht ein Effekt, dass wir noch enger zusammengerückt sind. Heute haben wir wieder das Hartberg gezeigt, was uns in den letzten Jahren ausgemacht hat. Wir haben gefightet und gerackert, besser geht es nicht. Über 80 Minuten in Unterzahl, eine großartige Leistung. Wir haben keine Sekunde gezweifelt, dass wir hier in Graz was holen!“

Dominik Frieser (TSV-Spieler): „Wir haben einen unglaublichen Kampf abgeliefert, der Punkt ist mehr als verdient. Was wir am Feld reingehaut haben ist echt sinnbildlich. Wir können stolz darauf sein, was wir heute geleistet haben.“ 

Jürgen Heil (TSV-Kapitän): „Ich bin stolz auf die Mannschaft, so eine Partie ist brutal für den Kopf, setzt aber für die kommenden Spiele möglicherweise Kräfte frei. Wir sind noch das Team, das wir immer waren, das haben wir heute bewiesen. Dieser Punkt in Graz hat gezeigt, dass wir eine echte Einheit sind. Es geht nach dem Sieg gegen Ried und dem Punkt gegen Sturm in die richtige Richtung.“


Admiral Bundesliga 2022/23 | 07. Runde | Samstag, 03. September 2022

SK Puntigamer Sturm Graz 0:0 (0:0) TSV Egger Glas Hartberg

Merkur Arena – Graz-Liebenau, 9.115 Zuseher | SR Weinberger (Wien)

Spielhighlights: Highlights #STUHTB

Sturm: Schützenauer – Gazibegovic, Wüthrich, Borkovic, Dante (46. Schnegg) – Hierländer (70. Ajeti), Gorenc-Stankovic, T. Horvat, Prass (59. Ljubic) – Emegha (87. Affengruber), Böving (59. Fuseini)

Hartberg: Sallinger – Steinwender, Sonnleitner, M. Horvat, Kofler – Kainz, Heil – Fadinger (91. Ejupi), Aydin (16. Gollner), Almog (46. Frieser) – Paintsil (76. Kriwak)

Rote Karte: M. Horvat (12./Torchancenverhinderung)

Gelbe Karte: Gazibegovic bzw. Heil

Fotos: Gepa Pictures | TSV Hartberg