Sieg verschenkt – nächster Selbstfaller in Ried – 2:3

Zum zweiten Mal die Leermeldung in Ried – unfassbar und richtig ärgerlich…


Das K.O. in der letzten Runde des Grunddurchgangs (3:3 gegen St. Pölten) war längst verdaut. Der Fokus ganz klar auf die Qualifikationsgruppe gerichtet. Das Ziel: Nie in den Abstiegsstrudel reingeraten und sich ganz vorne festsetzen. Zum Auftakt wartete am Karsamstag die SV Ried mit Neo-Coach Andreas Heraf. Der Start furios und optimal. Gollner mit dem Ball nach vorne, nach dem Zweikampf von Boateng gegen Kainz (der Innenverteidiger hätte für dieses harte Einsteigen Gelb sehen müssen) rollte der Ball weiter in Richtung gegnerisches Tor, Stefan Rakowitz war auf und davon und vollendete nach 52 Sekunden eiskalt zur Führung! Startelfdebüt in dieser Saison, schnellster TSV-Bundesligatreffer, schöner hätte der 31. Geburtstag des Burgenländers nicht beginnen können. Nach 17 Minuten hätte der nächste TSV-Treffer fallen müssen. Boateng mit dem Handspiel knapp außerhalb des Strafraums. SR Heiß entschied auf Elfmeter. Dario Tadic nahm das Elfergeschenk nicht an, traf nur die Stange und scheiterte zum zweiten Mal in Folge vom Punkt. Wenige Minuten später eine krasse Fehlentscheidung vom Tiroler Referee. Der gelb-belastete Stefan Nutz mit einem Brutalo-Foul (mit gestrecktem Bein eingesprungen) gegen Matija Horvat. Ein MUSS-Platzverweis, zumindest mit Gelb-Rot, doch der Schiedsrichter sah das überraschenderweise anders. Da kann es keine zweite Meinung geben. Bitter! Nach einer halben Stunde verpasste ein Gollner-Kopfball das Ziel nach einem Horvath-Corner nur knapp, die nächste große TSV-Chance. Mittlerweile hatte auch ein Schneeregen eingesetzt. In der 37 Minute die verdiente 2:0-Führung für den TSV (erstmals in dieser Saison)! Ausgangspunkt ein Eckball von Sascha Horvath, nach kurzer Klärung landete ein abgefälschter Heil-Schuss bei Bakary Nimaga, der wunderschön und mit viel Routine das Leder in die Maschen beförderte. Nimaga stand auch nicht im Abseits, da zwei Rieder deutlich hinter dem Hartberger standen. Doch die Rieder Bank und Tribüne reklamierte respektlos und teilweise niveaulos, wie des Öfteren in diesem Spiel. Drei Minuten nach der komfortablen Führung der unnötige Anschlusstreffer. Marco Grüll brachte die Rieder aus dem Nichts mit einem Distanzschuss zurück ins Spiel, erwischte Rene Swete am falschen Fuß und die Partie wurde wieder spannend. Hartberg weiter spielbestimmend, nach einer schönen Kombination kam Sascha Horvath, einer der absoluten Aktivposten neben Baky Nimaga und Stefan Rakowitz im Offensivspiel, zum Abschluss. Ried-Schlussmann Sahin-Radlinger war aber aufmerksam. Mit einer verdienten 2:1-Führung ging es für 15 Minuten in die Kabinen.

Nach der Pause agierten unsere Hartberger zu passiv, die Partie plätscherte dahin, was sich rächen sollte. Zunächst ging ein Horvath-Schuss über den Kasten. In der 69. Minute hatte Marco Grüll einen Energieanfall, lief mit dem Ball von der eigenen Hälfte bis in den gegnerischen Strafraum, wurde von keinem Hartberger gestoppt und traf zum Ausgleich. Wenig Gegenwehr, so etwas darf einfach nicht passieren. Das ging viel zu einfach. Die komplette Wende ließ nicht lange auf sich warten. 152 Sekunden später zappelte der Ball erneut im Netz. Ein Schuss von Wießmeier nach einem Eckball von Nutz, der längst nicht mehr am Platz hätte stehen dürfen, wurde von Horvat unglücklich ins eigene Tor abgefälscht (dahinter wäre ohnehin Gschweidl einschussbereit gestanden). Damit war das österliche Gastgeschenk an die Hausherren perfekt. In der Schlussphase versuchten unsere Blau-Weißen nochmal alles, Gollner mit einem Freistoß, Rotter mit dem Schuss aus kurzer Distanz, Luckeneder mit einem Kopfball und einige weitere Offensivaktionen (darunter viele Eckbälle) fanden einfach nicht den Weg ins Tor oder wurden vom starken Sahin-Radlinger pariert. Swete musste nur noch einmal eingreifen, blieb im Duell mit Gschweidl aber Sieger. Nach 94 Minuten beendete das Schiedsrichtergespann die Partie.

Am Ende stehen wir leider erneut mit leeren Händen da. 2:3-Niederlage in Ried, nach 2:0-Führung. Die nächste „Watsch’n“ nach dem St. Pölten-Spiel. Eigentlich begann die Partie perfekt, mit dem 2:0 war alles auf Schiene. Die Leistung war gut und auch der Zwischenstand stimmte. Vielleicht ging an diesem Fußballabend zu Beginn alles zu einfach, dass man in der Folge nachlässig und teilweise passive wurde und den Hausherren auch noch Geschenke machte. Eine völlig unnötige Niederlage. 27! Torschüsse hatten unsere Blau-Weißen nur zwei fanden den Weg ins Tor. Ein Spiegelbild der Auswärtspartie im November (26 Torschüsse, 4 Aluminiumtreffer) mit dem Unterschied, dass wir dieses Mal sogar komfortabel in Führung lagen. Ein reiner Selbstfaller, wo man einen verunsicherten Gegner zum Leben erweckte. Da muss sich jeder selbst an der Nase nehmen, genau analysieren und die richtigen Schlüsse daraus ziehen. Am Karsamstag hat man eine große Chance liegen gelassen, direkt den Abstiegskampf hinter sich zu lassen. Nächstes Ziel. Ein erfolgreiches Heimspiel kommenden Samstag gegen die Wiener Austria. Alles raushauen was in der Mannschaft steckt von der 1. bis zur 90. Minute um diesen Fehlstart wettzumachen. #forzatsv #nevergiveup


Eine Zusammenfassung von diesem Spiel gibt es hier: #SVRHTB-Highlights


Stimmen zum Spiel:

Markus Schopp (Hartberg-Trainer): „Das Spiel fällt in die Rubrik ‚komplett unnötige Niederlage‘. Wir haben es einzig und allein uns selbst zuzuschreiben. Das Spiel hätte nach 34 Minuten entschieden sein müssen. Nach 2:0 und einer Gelb-Roten Karte (für Rieds Stefan Nutz, Anm.), die nicht gegeben wurde, weil der Schiri den Elfer kompensieren wollte. Wir wussten, dass der Gegner nach dem 1:2 mit viel Energie aus der Kabine kommt. Meine Mannschaft hat sich bei zwei Standards wie eine Schülermannschaft verhalten. Meine Mannschaft müsste eigentlich schon weiter sein. Ich muss mit ihr hart ins Gericht gehen, weil sie sich für eine eigentlich gute Leistung wieder nicht selbst belohnt hat.“

Torschütze Stefan Rakowitz: „Wir sind sehr gut in die Partie hineingestartet und haben noch die eine oder andere Chance gehabt in der ersten Halbzeit. Dann haben wir bitter den Anschlusstreffer bekommen. Es ist natürlich ärgerlich, mit einem 2:1 in die Kabine zu gehen und dann noch das Spiel herzuschenken. Das ist bitter, auch dass man den Elfmeter nicht nutzt. Aber das kann jedem passieren.“

Andreas Heraf (Ried-Trainer): „Natürlich ist jeder Sieg wichtig, aber in unserer Situation besonders. Wir haben lange nicht gewonnen, da war es in den Köpfen etwas schwierig, das Gefühl zu bekommen, dass man überhaupt gewinnen kann. Der Sieg kann einen Knoten für die nächsten Wochen lösen. Haben jetzt das Gefühl, dass wir jeden schlagen können. Aber der Sieg ändert (mit Blick auf die Tabelle, Anm.) gar nichts, es sind nach wie vor neun Endspiele.“


Tipico Bundesliga 2020/21  – 23. Runde, Samstag, 3. April 2021

SV Guntamatic Ried 3:2 (1:2) TSV Prolactal Hartberg

Josko-Arena – Ried, SR Heiß (Tirol)

Torfolge:
0:1 Rakowitz (1.)
0:2 Nimaga (34.)
1:2 Grüll (37.)
2:2 Grüll (69.)
3:2 Horvat (71./ET)

Ried: Sahin-Radlinger – Wießmeier, Meisl, Boateng, Kerhe – Ziegl, Offenbacher (60./Satin) – Bajic (89./Lackner), Nutz (76./Reifeltshammer), Grüll – Borsos (46./Gschweidl)

Hartberg: Swete – Lienhart (86./Tijani), Horvat, Luckeneder, Gollner – Kainz (46./Rotter), Nimaga – Rakowitz (46.&Ried), Horvath, Heil (76./Sturm) – Tadic (60./Chabbi)

Gelbe Karten: Nutz, Ziegl bzw. Horvat

Fotos: Gepa Pictures | TSV Hartberg