Verflixte 11 Minuten – bittere 2:1-Niederlage in Salzburg

So knapp! So bitter! Unser TSV Egger Glas Hartberg schnupperte richtig an einer Sensation auswärts beim Serienmeister. Die frühe Führung und eine starke Leistung blieb unbelohnt. Die individuelle Klasse der Salzburger, die sie auch von der Bank bringen können, drehte in den letzten elf Minuten die Partie. Extrem bitter und enttäuschend. Die Mannschaft hätte sich nach dem tollen Fight, dem Laufpensum, der guten Defensivleistung und der starken offensiven Nadelstiche auf jeden Fall zumindest einen Punkt verdient. Die große Sensation lag in der Luft, wollte aber nicht sein. Das wegen knappem Abseits aberkannte 2:0 war womöglich der Knackpunkt. Auch ein paar Umschaltmomente hätte man besser fertig spielen können. Richtig schade! Somit heißt es weiter warten auf den ersten Sieg gegen die Mozartstädter und den ersten Punktegewinn in der Bullen Arena.


Erneut war das Trainerteam zu Umstellungen gezwungen. Stec und Schantl am Oberschenkel blessiert, Thomas Rotter gesperrt. Kurt Russ stellte auf Fünferkette mit Kainz und dem wieder genesenen Klem außen sowie dem Trio Steinwender, Sonnleitner und Gollner innen um. Der Auftakt in die – bei Salzburger Schnürlregen – intensive Partie war perfekt! Mario Sonnleitner mit dem weiten Abschlag nach vorne, Ulmer verlängerte etwas ungenau, Onguene reaktionslangsam- Noel Niemann luchste dem Verteidiger den Ball ab, stürmte auf das Salzburger Tor, machte einen Haken nach rechts und schlenzte das Leder wunderschön ins lange Eck. Super Tor unserer #10, tolle Aktion! Führung! Salzburg hatte folglich und erwartungsgemäß viel Ballbesitz, hatte aber wenig bis gar keine Ideen und konnte kaum Tormöglichkeiten kreieren. Die TSV-Defensive rund um Abwehrchef Mario Sonnleitner, der richtig „on fire“ war, alle Bälle wegköpfte und eine richtig starke Leistung ablieferte, stand sehr gut. Die erste nennenswerte Chance der Bullen gab’s kurz vor der Pause. Sucic-Ecke, Adeyemi mit dem Kopfball, doch Jürgen Heil klärte vor der Linie problemlos.

Selbes Bild auch zu Beginn der zweiten Hälfte. Kompaktes Defensivverhalten und der Versuch offensiv gefährlich zu werden. So auch in Minute 58. Der Ball zappelte im Netz, das vermeintliche 2:0 für unsere Blau-Weißen. Schöne Kombination über Niemann-Tadic-Kainz und wieder Niemann der das Spielgerät zur Mitte brachte. Doch Torschütze Donis Avdijaj stand hauchdünn im Abseits. Richtig bitter! Eine Chance gab’s noch! Wieder die Russ-Elf, diesmal über links, über Jürgen Heil. Tobi Kainz mit dem Abschluss, knapp am kurzen Eck vorbei. Das wäre die Vorentscheidung gewesen, nun war es der Knackpunkt für die Wende. Die Hausherren wurden nervös, wollten sie doch vor dem wichtigen CL-Spiel gegen Sevilla mit einem Sieg Selbstvertrauen tanken, Trainer Jaissle brachte mit Aaronson, Capaldo und Sesko 23 Millionen Marktwert ins Spiel. Mehr als das dreifache des gesamten Marktwertes des TSV Hartberg. Joker Benjamin Sesko bediente Rasmus Kristensen, der via Latten-Unterkante elf Minuten vor Schluss den Ausgleich besorgte. Wenige Minuten später erzielte Abwehrchef Onguene nach einem Corner das Siegestor. Zuvor war US-Boy Aaronson bei einer Topchance an Hartberg-Kapitän Rene Swete gescheitert, ebenso Sucic mit einem guten Schuss. Dann war Schluss und es tat richtig weh…


Stimmen zum Spiel:

Kurt Russ (Hartberg-Trainer): „Mir fehlen ein bisschen die Worte, es tut richtig weh. Mir geht es schlecht und der Mannschaft geht es auch schlecht. Es war ein super Kampf von meiner Mannschaft, sie hat sehr viel richtig gemacht. Das Umschaltspiel war nicht immer optimal, wir hätten einige Aktionen besser fertig spielen können. Sonst wäre vielleicht eine Sensation möglich gewesen. Unsere Leistung in der ersten Hälfte war top, die zweite Hälfte war richtig schwierig, weil meine Spieler sehr viel gelaufen sind. Man hat gemerkt, dass wir am Ende müde wurden und Salzburg noch unglaubliche Qualität auf der Bank hatte. Das hat leider den Unterschied gemacht.“

Matthias Jaissle (Salzburg-Trainer): „Heute war es die Bank, die dieses Spiel entschieden hat, mit der Dynamik, dieser Zielstrebigkeit und dem nötigen Selbstvertrauen, immer wieder gegen einen tiefen Block anzukämpfen. Es freut mich extrem, dass wir so ein Comeback landen konnten. Ich war vor allem mit der Moral der Mannschaft sehr zufrieden. Wir sind unglücklich und unnötig 0:1 in Rückstand geraten, das war eine Aneinanderreihung von Fehlern. Onguene weiß selbst, dass er da nicht gut ausgesehen hat, deshalb freut es mich umso mehr, dass er diesen Fehler mit dem Tor zum 2:1 ausgemerzt hat. Dieser Sieg kann beflügeln. Gegen Sevilla werden wir sicher mehr Räume finden, das kommt unserem Spiel entgegen.“

TSV-Kapitän Rene Swete: „Im Moment ist man einfach nur leer. Viel Aufwand für nix. Aber wenn man das Spiel mit etwas Abstand betrachtet, wird man zur Erkenntnis kommen, dass ein größtenteils so war, wie man gegen Salzburg spielen muss. Dass Salzburg individuell die bessere Mannschaft war ist glaub ich gegen jeden Gegner in der Liga so. Leider hat das Spiel 10 Minuten zu lange gedauert.“

Torschütze Noel Niemann: „Wir wussten von Anfang an, dass wir viel mehr investieren müssen wie Salzburg. Wir haben das ganz lange Zeit sehr gut gemacht, sie haben sich auch lange schwer getan. Richtig bitter, wenn man in den letzten 10 Minuten noch zwei Gegentor bekommt. Das Tor war im Moment und bis zur 80. wunderschön. Aber ich hätte lieber kein Tor geschossen und wir hätten einen oder drei Punkte mitgenommen. In erster Linie ist die Enttäuschung extrem groß, wir waren an einem kleinen Wunder knapp dran.“


Admiral Bundesliga 2021/22 |17. Runde | Samstag, 4. Dezember 2021

FC Red Bull Salzburg 2:1 (0:1) TSV Egger Glas Hartberg

Red Bull Arena – Wals Siezenheim, Salzburg | SR Muckenhammer (Oberösterreich)

Spielhighlights: Highlights #RBSHTB

Tore:
0:1 Niemann (10.)
1:1 Kristensen (79.)
2:1 Onguene (86.)

Salzburg: Köhn – Kristensen, Solet, Onguene, Ulmer – Diambou (62./Aaronson), Bernede (62./Capaldo), N. Seiwald, Sucic – Adamu (62./Sesko), Adeyemi

Hartberg: Swete – Kainz, Steinwender, Sonnleitner, Gollner, Klem – Horvat (87./Erhardt) – Heil, Avdijaj – Niemann (74./Sturm), Tadic

Gelbe Karten: Adeyemi bzw. Horvat, Avdijaj, Swete

Fotos: GEPA pictures | TSV Hartberg