Wenige Sekunden fehlten zur Meistergruppe – Bitteres 3:3 gegen St. Pölten

Ein Wechselbad der Gefühle. 2x Rückstand – Spiel gedreht und am Ende fehlten wenige Sekunden zum Einzug in die Meistergruppe.


Das Trainerteam veränderte die Startelf im vergleich zum Auswärtsspiel in Wien wieder auf zwei Positionen. Andreas Lienhart und Dario Tadic kehrten in die Anfangsformation zurück. Unsere Mannschaft startete gut in die Partie und hatte in der Anfangsphase deutlich mehr vom Spiel. Nach wenigen Sekunden kam Flecker zum Kopfball, aber St.Pölten Torhüter Riegler war zur Stelle. Danach gab es drei weitere Angriffe, die aber jeweils zu einer Ecke geklärt werden konnten.  St. Pölten kam nach einem Konter durch Davies zum Abschluss, der Ball landete aber im Außennetz. Eine gute Flanke von Lienhart landete bei Dario Tadic, dessen Kopfball ging aber am Tor vorbei (18.). Im Gegenzug kam Ex-Hartberger Blauensteiner frei zum Schuss, setzte die Kugel aber über das Tor (19.). In Minute 25 der vierte Eckball für den TSV, gute Hereingabe von Horvath, doch Riegler konnte den Ball entschärfen. Anschließend ging ein Schuss von Servania über das Tor (26.). Dann die Szene der ersten Halbzeit. Flecker schießt Schulz am Oberarm an, Schiedsrichter Spurny zeigt auf den Punkt und gibt den Elfmeter für die Heimelf. Eine harte Entscheidung. Dario Tadic übernahm die Verantwortung, doch Riegler konnte den zu mittig geschossenen Ball mit einer Fußabwehr klären. Schade! Diese Führung wäre (auch im Nachhinein) doppelt wichtig gewesen, im Hinblick auf den Spielverlauf. Ein doch entscheidender Moment. Nach einigen ereignislosen Minuten gelang der Heimelf eine schöne Kombination über mehrere Stationen. Am Ende landete der Ball vor Rajko Rep, dessen Schuss aber knapp am linken Pfosten vorbei ging (39.). In der 40. Minute die Führung für die Niederösterreicher. Nach einem Konter legte Hugi auf den frei stehenden Ljubicic ab, der den Ball zum 0:1 über die Linie drückte. Mit der knappen Führung der Gäste ging es auch in die Kabinen.

In der Halbzeitpause brachte Markus Schopp mit Stefan Rakowitz einen weiteren Offensivspieler und das zahlte sich aus. Erneut kam das Heimteam besser ins Spiel, hatte deutlich mehr Ballbesitz und war die gefährlichere Mannschaft. 52 Minuten vorbei, eine gute Flanke von Rep auf Rakowitz. Goalie Riegler rutschte der Ball aus der Hand, doch die Unsicherheit blieb ohne Folgen. Wenige Minuten danach die Topchance. Tobi Kainz kam im Strafraum zum Schuss, doch das Spielgerät ging hauchdünn über das Tor (55.). Die Gäste waren nur durch Konter gefährlich. So auch in der 58. Minute. Doch Rene Swete konnte mit einer starken Fußabwehr gegen Davies den Gegentreffer verhindern. Dann überschlugen sich die Ereignisse. Ein guter Schuss von Klem wurde von einem Spieler geblockt, Nimaga traf im Nachschuss die Stange. Der Ball landete vor Kainz, dessen Schuss von den St. Pöltnern irgendwie noch an die Latte gelenkt werden konnte. Eine unfassbare Szene. 2 mal innerhalb von 3 Sekunden! traf die Heimelf nur Aluminium (60.). Es ging in dieser Tonart weiter. Freistoß von der linken Seite, erneut eine Unsicherheit in der Defensive der Niederösterreicher, aber Steinwender konnte zur Ecke klären. Es folgte endlich der hoch verdiente Ausgleich. Horvath sah Rep, dieser zirkelte den Ball zur Mitte, wo Bakary Nimaga zum 1:1 traf (65.). Der Jubel war noch nicht einmal verstummt, schon ging St.Pölten erneut in Führung (67.). Booth spitzelte (natürlich durch einen weiteren Konter) den Ball an Swete vorbei zum 1:2. Doch wer Hartberg kennt, der weiß, dass niemals aufgegeben wird. Fünf Minuten nach dem Gegentor findet Horvath mit einer Flanke den frei stehenden Stefan Rakowitz. Zuspiel auf den eingewechselten Seifedin Chabbi, der für den 2:2 Ausgleich sorgte (67.). Die 72. Minute, Riegler konnte einen Rakowitz-Kopfball abwehren, Tadic erkämpfte sich den Ball und bediente Sascha Horvath, der zur erstmaligen Führung für den TSV traf. 3:2. Der Jubel war groß. Es lief alles nach Plan. Die Steirer ließen im weiteren Spielverlauf kaum etwas zu. Bis zur 94. Minute. Nach einer Ecke landet der Ball irgendwie bei Kofi Schulz, der den Ball zum 3:3 über die Linie drückte. Dann war Schluss.

Unglaublich bitter. Leere, Tristesse und eine große Enttäuschung direkt nach dem Schlusspfiff. Mit einer kämpferischen und moralischen Meisterleistung hat unser TSV das Spiel gedreht, kam nach zweimaligem Rückstand zurück und ging sogar in Führung. Da die WSG nur 1:1 spielte, sah es bis zur 94. Minute so aus, als hätte unsere Mannschaft die Sensation, den Einzug in die Meistergruppe, erneut geschafft. Doch dann folgte die Ernüchterung, der Ausgleich in letzter Sekunde. 29 Punkte stehen nach dem Grunddurchgang am Konto. Gleich viele wie im letzten Jahr. Damals hat es gereicht, diesmal eben knapp nicht. Jetzt geht´s in die Länderspielpause. Abhaken, das Spiel aus den Köpfen bekommen und dann voller Fokus und volle Konzentration auf die letzten 10 Runden. Das Saisonziel ist und bleibt der Klassenerhalt und dafür werden Mannschaft und Verein jetzt geschlossen alles geben. Die Ausgangssituation dafür ist sehr gut. Es gilt auch die Qualifiktionsgruppe in die Köpfe zu bringen, da erwartet unsere Blau-Weißen ein richtig harter Kampf und Fight, der angenommen werden muss. Gelingt uns das, ist auch im „unteren Play-off“ viel möglich… #nevergiveup


Eine Zusammenfassung von diesem Spiel gibt es hier: #HTBSKN-Highlights


Stimmen zum Spiel:

Markus Schopp (Hartberg-Trainer): „Ich möchte zuerst Wattens gratulieren, dass Sie ihr unglaubliches Ziel erreicht haben. Das hätte vor der Saison keiner gedacht, aber das haben sich die Tiroler erarbeitet und verdient. Wir wissen auch, dass wir das heutige Spiel richtig einordnen müssen. Ich denke, dass wir ein gutes Spiel gemacht haben. Wir sind heute zurückgekommen aus einer ganz schwierigen Situation, haben einen Elfmeter verschossen, ein paar Chancen vergeben. Der Gegner hat auf unsere Fehler gewartet. Umschaltmomente haben wir ihnen leider Gottes das eine oder andere Mal gegeben. Vom Ablauf her ist das natürlich sehr dramatisch. Aber das ist Fußball. Es ist jetzt nicht so, dass die Welt zusammenbricht. Wir wissen, dass wir jetzt noch zehn Spiele haben in der Qualifikationsrunde. Auf die freuen wir uns sehr.

Robert Ibertsberger (St.Pölten-Trainer): „Das Spiel ist ganz schwer einzuordnen und schwer zu analysieren. Zum einen hat die Mannschaft große Moral gezeigt, zum anderen haben wir wieder zu leichte Gegentore bekommen. Das war heute ein Wellental, das man als Trainer in so einem Spiel erlebt. Jetzt gilt es aber das Positive in die Qualifikationsgruppe mitzunehmen.

TSV Kapitän Rene Swete: „Es ist jetzt natürlich so, dass die Stimmung am Nullpunkt ist. Wir haben viel investiert und Moral bewiesen, aber jetzt tut das schon sehr weh. Am Ende muss man sagen, dass sich Wattens das verdient hat und zurecht in der Meistergruppe spielt. Die haben eine gute Mannschaft und nicht nur erfolgreich, sondern auch einen sehr ansehnlichen Fußball gespielt. Wir haben heute wieder Charakter gezeigt und großartig gekämpft, wie schon so oft in der Saison. Das ist eine Eigenschaft, die uns seit dem Aufstieg in die Bundesliga auszeichnet.  Davon können wir uns aber im Moment nichts kaufen. Jetzt ist das sehr bitter. Trotzdem ist das für die Zukunft für uns und für den Verein ein wichtiger Baustein.”

Torschütze Sascha Horvath: „Vor dem Rückstand waren wir die bessere Mannschaft. Dann drehen wir sogar das Spiel und kriegen in Minute 94 doch noch den Ausgleich. Das ist extrem bitter! Es hilft aber nichts, jetzt sind wir eben unten und wollen Siebter werden, das ist unser Ziel. Nun gilt es das Ergebnis zu verarbeiten, denn nach der Länderspielpause geht es wieder weiter.“

Präsidentin Brigitte Annerl: „Das war eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Aber was ich heute gesehen habe, war eine Mannschaft die Kampfgeist gezeigt hat, die mutig aufgetreten ist und alles gegeben hat. Wir haben uns nach mehrmaligen Rückstand zurückgekämpft und am Ende hat uns eine Minute von der Meistergruppe getrennt. So schön, aber auch so grausam kann der Fußball sein. Heute war das Spielglück eben nicht auf unserer Seite. Es ist wie es ist. Was uns seit Jahren auszeichnet ist der Zusammenhalt und wir werden gemeinsam das Ziel Klassenerhalt erreichen. Auch von mir herzliche Gratulation nach Tirol. Die Wattener haben sich die Meistergruppe verdient.“


Tipico Bundesliga 2020/21  – 22. Runde, Sonntag, 21. März 2021

TSV Prolactal Hartberg 3:3 (0:1) SKN St.Pölten

Profertil Arena – Hartberg, SR Spurny (Wien)

Tore:
0:1 R. Ljubicic (40.)
1:1 Nimaga (65.)
1:2 Booth (67.)
2:2 Chabbi (72.)
3:2 Horvath (76.)
3:3 Schulz (94.)

Hartberg: Swete – Lienhart (46./Rakowitz), Gollner, Luckeneder, Klem – Kainz (61./Chabbi), Nimaga – Horvath, Rep (85./Rotter), Flecker – Tadic (78./Horvat)

St. Pölten: Riegler – Steinwender, Drescher, Muhamedbegovic (80./Schmidt) – Blauensteiner (46./Majnovics), Halper, Servania (75./Meister), R. Ljubicic, Schulz – Davies (74./Pokorny), Hugi

Gelbe Karten: Klem, Rep, Nimaga bzw. Schulz

Fotos: GEPA Picutes | TSV Hartberg